hart aber herzlich – was mich an roller derby begeistert

die meister*innenschaft im roller derby in innsbruck war nicht nur nice zum zuschauen – sie hat mir gezeigt, wie sport sein kann: kommerzfrei, inklusiv, entspannt politisch.

ich war nie der gruppensporttyp. nicht, weil mir das spielerische nicht zugesagt hätte. es waren eher die umstände: testosteron und macho-attitüden, vereinsmeierei und immer knietief im arsch der sponsoren. wahrscheinlich habe ich es auch deshalb bis heute nie zu einem wacker-spiel geschafft, obwohl ich mir das schon lange vorgenommen habe.

vom roller derby hatte ich nur eine vage vorstellung. dass es ein frauensport ist und mit rollschuhen gefahren wird. und dass es auch in innsbruck einen verein gibt.

am letzten wochenende (30.11. – 1.12.2019) war die österreichmeister*innenschaft im landessportzentrum. perfektes hangover-programm, dachte ich mir. also hin. der eingang war schon mal nicht leicht zu finden, die massen strömten in die eishalle nebenan. 8 euro eintritt, kann mensch schon mal machen, ich bin ja neugierig.

ich war drin: ließ die merch-stände links liegen und suchte mir einen platz auf der tribüne. das publikum bunt gemischt mit relativ hohem waldviertler-anteil, an den wänden banner mit teamlogos und “stop sexism”-slogans. daneben eine regenbogen- und trans-pride-fahne. auf dem feld ging es schon körperbetont zur sache.

zwei teams mit fünf spielerinnen in einem ringparcour, der rest des teams in den linken beiden ecken. nach dem zweiten spiel hatte ich die regeln so zirka verstanden: ein “jam” ist eine spielrunde, die bis zu 2 minuten dauern kann. die teams bestehen aus jeweils vier blockerinnen und einer jammerin. die beiden jammerinnen starten gleichzeitig hinter der startlinie, während sich die blockerinnen (die “packs”) in defensivhaltung formieren, meist mit einem “tripod” (drei spielerinnen, die sich an den händen halten und so eine barriere bilden).

nach anpfiff versuchen beide jammerinnen, die blockerinnen des anderen teams zu überwinden. das geht mitunter hart her, mit vollem körpereinsatz drücken, springen, fahren die spielerinnen gegeneinander an – vollkontaktsport halt. ziel der jammerinnen ist es, nach dem ersten durchbrechen eine runde zu fahren und die gegnerischen blockerinnen erneut zu überwinden. dann gibt’s punkte. die jammerin, die es als erste geschafft hat, nach dem start die blockerinnen des anderen teams hinter sich zu lassen, hat den “lead” – sie kann die spielrunde jederzeit beenden (z. b. wenn sie den zweiten durchbruch geschafft hat und die andere jammerin noch nicht, dann macht nur sie punkte).

soviel zum groben spielablauf. oft gelingt das durchbrechen problemlos, manchmal nach rangeleien, hin und wieder kommt eine jammerin gar nicht durch. waghalsige sprünge, kopf-an-kopf-wettfahrten und stürze nach voller fahrt gehören zum wettstreit dazu. die spielerinnen schenken sich nichts – zumindest nicht während des spiels.

davor und danach schaut es schon anders aus: kleine showeinlagen beim einzug, herzliches umarmen des gegnerischen teams, viel musik, partystimmung. in der finalhalbzeit tritt die genderdiverse cheerleadergruppe aus wien auf.

fünf RD-vereine gibt es mittlerweile in österreich, der älteste (wien) wurde vor 9 jahren von ein paar freund*innen gegründet. die teams aus innsbruck, salzburg, graz und linz sind teilweise viel jünger. das sportliche level variiert entsprechend stark.

roller derby will (zumindest wie ich es in innsbruck erlebt habe) frauen* in all ihrer körperlichen und gender-vielfalt ein spielfeld und eine bühne eröffnen. die vereine organisieren sich nach dem diy-prinzip und kommen ohne kommerzielles sponsoring aus – vom vegetarisch-veganen imbiss bis zu den officials war das event von freiwilligen helfer*innen getragen. und sie sehen sich als teil einer community, die in spielerischem wettstreit miteinander steht, bei dem gegenseitiger respekt, unterstützung und wertschätzung einen enorm hohen stellenwert haben.

damit zeigten sie auf, wie sport auch gehen kann – und gehen sollte. für mich neben dem hohen unterhaltungswert und der guten stimmung die beste erfahrung des tages. und sicher nicht die letzte: mein erstes wacker-spiel kann warten. ich hab jetzt roller derby.

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